Hintergrund
Eine Spurensuche nach der verschwundenen Mauer – die schöne Idee wurde lebendig und ergebnisoffen umgesetzt. Man spürt immer, dass sich die Suchenden auf die Situationen einlassen, dass sie nicht mit vorgefassten Bildern aufgebrochen sind, dass sie die ihnen fremde Vergangenheit bei ihren Gesprächen erkunden wollen – eine wichtige dokumentarische Tugend. Der quasi „detektivische“ Ton sorgt für eine ironische Brechung und gibt dem Unternehmen eine große Unterhaltsamkeit. Die Zeitreisenden befragen ihre Zeugen mit Geschick und Neugier und präsentieren ihr Material professionell aufbereitet als facettenreiches Roadmovie.
Gewonnen hat der Film Mauerlos von Media To Be.
Das Portrait über das Leben des Fotografen Michael Weidt, Lebensgefährte der Filmemacherin Petra Weisenburger (Er war auch in ihrem Film „Ich will da sein – Jenny Gröllmann“ ein sehr authentischer Zeitzeuge) besticht durch das berechtigte Vertrauen, dass die Filmemacher für ihren Protagonisten empfanden. Sie lassen sich ganz auf seine Schilderungen ein, folgen seinem Lebensweg, seinen frühen Erfahrungen von Verfolgung und Widerstand. So wird die jüngere deutsch-deutsche Geschichte anhand eines Einzelschicksals konkret begreifbar – Geschichte wird von Menschen gemacht und sie macht etwas mit den Menschen, beides zeigt der Film.?
Gewonnen hat der Film Michael Weidt von Naturfreundejugend Berlin-Pankow.
Drei Zeitzeugen aus der Cottbuser Wendezeit werden interviewt, aus den Gesprächen werden plastische Porträts der Protagonisten montiert, die mit wenigen, aussagekräftigen Strichen in ihrem jeweiligen Kontext erscheinen. Die geschickt ausgewählten, sehr aussagekräftigen Partner stehen für äußerst unterschiedliche Standpunkte, die hier alle zu ihrem Recht kommen: von der Regimegegnerin bis zum politisch für die DDR engagierten Künstler – ein aus in dieser Begrenztheit pluralistischer Ansatz. Auch die Auswahl der richtigen Protagonisten gehört zur Fähigkeit eines Dokfilmers! Und zugleich haben sich die Filmemacher hier ein klares Bild der Vorgänge in ihrer Heimatstadt erschlossen.?
Gewonnen hat der Film " ... und es geht weiter!" von Soziale Vielfalt.
Nichts ist so hartnäckig wie ein Vorurteil. Die Schöpfer von „So sind sie eben“ gehen den Klischees auf den Grund und arbeiten dabei sehr differenziert und vor allem historisch: So entstehen einsichtsvolle Reflexionen über Vorurteile zwischen Ost- und Westberlinern zu verschiedenen Zeiten und in den unterschiedlichen Generationen. Anschaulich werden die Bilder des anderen durch die gespielten Passagen verkörpert, die sich lustvoll mit den Denkschablonen in den Köpfen auseinander setzen. Die gelungene Verbindung von Materialien und Erzählformen, die humorvolle, nie verbissene Darstellung wirken letztlich krampflösend und befreiend.
Gewonnen hat der Film So sind sie eben von karuna e.V.
Es beginnt mit einem reich gedeckten Frühstückstisch voller Ostprodukte und der Frage – wie schmeckte die DDR? So wie wir uns an neue Geschmacksrichtungen, andere Gerüche gewöhnt haben, so sehr hat sich unsere gesamte Lebenswirklichkeit verändert. In „Frühstück mit der DDR“ entwickelt sich vom Tisch aus ein spannender Dialog zwischen den Generationen. In dem Film wird ein vorurteilsfreier Blick zurück möglich, bei dem die Gegenwart nie aus dem Sichtfeld gerät. Dank der klugen Konzentration auf Frauenschicksale eröffnen sich hochinteressante Vergleichsmöglichkeiten der Lebensentwürfe und des tief veränderten Alltags – den bekommen Frauen ganz besonders intensiv zu spüren.
Gewonnen hat der Film Frühstück mit der DDR von Mikado e.V.
Portraitiert werden die Tage vor und nach der Wende im Leben der Familie Quade, der Filmemacher nutzt hier sehr gut und durchaus legitim die familiäre Vertrautheit ...?Erzählt werden persönliche Geschichten, die von Bildern der Vergangenheit kontrastiert werden. „Zeiten ändern sich“ bleibt sehr klar und konzentriert beim Thema und arbeitet die Protagonisten nachvollziehbar und wirkungsvoll in die Abläufe ein, ist dabei sehr gut gemacht, was Schnitt und Rhythmus betrifft. Wir spüren echte Neugierde, ohne dass die Filmemacher sich nach vorn drängen. Durch den individuellen Zugang wir geradezu packend die Dramatik des Mauerfalls erlebbar.
Gewonnen hat der Film Zeiten ändern sich von Media To Be.
